One World - One Way

Die Weltreise von 
Sylvia Giese und Gisbert Frech
und ihrer Ente



Südamerika III

 

Die Bücher zur Reise

Warum nicht Cochabamba - Titelblatt
Warum nicht Cochabamba
Mit der Ente auf Umwegen über
Kleinasien nach Südamerika
 

Mongolei-Express - Titelblatt
Mongolei-Express
Ein Reisebericht

 

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Der erste Anlauf

Südamerika I

Südamerika II

Südamerika III

Asien I

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Gisbert Frech Verlag

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Den vorigen Teil gibts unter Südamerika II.

Bolivien II

(Juli 2002) In privaten Mails hatten wir schon erwähnt, dass unsere Ente geflutet wurde. Es war keine zu tiefe Flussdurchfahrt oder ähnliches, sondern unser grandioses Hotel in Copacabana, das Ambassador Hotel. Dort bekamen wir einen Parkplatz zugewiesen und in der Nacht fing es an zu schneien. Als wir vormittags am Auto waren, war der Schnee geschmolzen und das Tauwasser ist vom Flachdach des Hotels über ein Abflussrohr direkt auf unsere Beifahrertür gelaufen, so richtig schön mit sattem Druck, mehr als die Türdichtungen halten konnten. Selbst in den Kontrollleuchten am Tacho war Wasser, unser Zeug unter den Vordersitzen und im Handschuhfach nass, sogar in der verschlossenen Alukiste auf der Ladefläche war alles feucht. Die Türverkleidungen waren erledigt, die Sitze fingen an zu schimmeln, der Boden unter der Ente bestand aus 10 cm tiefem Matsch und wir waren sauer.

Unsere nächste Station, nach einer landschaftlich wunderschönen, aber wegen der scheiß korrupten Polizisten doch nervigen Fahrt, war Cochabamba. Die Stadt gefiel uns auf Anhieb, abgesehen von den Schwierigkeiten, eine geeignete Unterkunft mit Parkplatz zu finden. Nach langem Suchen haben wir ein Drei-Sterne-Hotel genommen. Das lag zwar eigentlich über unserem Limit, aber es war auch das bislang beste Hotel, das wir in Südamerika hatten. Die Stadt mit ihren schönen alten Gebäuden und freundlichen Menschen gefiel uns so gut, dass wir vier Tage blieben. Am Vormittag des Tages, an dem wir weiter fuhren, gab es eine große Demonstration in der Stadt. Die verlief friedlich, hat uns aber etwas überrascht, hatten wir doch gehofft, dass es bis zum Amtsantritt der frisch gewählten Regierung, Anfang August, in Bolivien ruhig bleiben würde.

Regenwald, BolivienAuf dem Weg nach Villa Tunari wechselte die Landschaft, plötzlich waren wir mitten im Dschungel. Üppige Vegetation, Regenwolken, eine (wegen Drogen) militärkontrollierte Straße und 30 km sehr staubige Piste waren unser Weg. Am Ortseingang von Villa Tunari der bislang extremste Polizist in gesamt Bolivien. Er wollte Geld (wie üblich) und uns solange dort festhalten, bis wir zahlen. Nach einer halben Stunde heftiger Streiterei mit dem Typen, in der er sich weigerte uns einen Grund für unsere Zwangspause oder auch nur seinen Namen zu nennen, habe ich die Straße blockiert und hätte die Ente auch nicht weggefahren, bis er uns unsere Papiere wiedergegeben hätte. In der Zeit aber hatte der Typ Sylvia angefasst, sie hat ihm den Ellenbogen in die Rippen gestoßen, sich unsere Papiere vom Schreibtisch genommen und wir sind gefahren.

Organisatoren der Tierstation in Villa TunariIn Villa Tunari gibt es einen Tierpark, in dem gestrandete Wildtiere gepflegt und ausgewildert werden. Die Arbeit dort wird fast ausschließlich von freiwilligen Helfern geleistet und wir hatten beschlossen, dort ca. eine Woche lang mitzuarbeiten. Der Park, in einem angemieteten Stück Dschungel am Ende des Ortes gelegen, beherbergt etliche Papageien und Affenarten, einige Raubkatzen, ein Faultier und ein Rehkitz. Unter Aufsicht der bolivianischen Initiatoren Nena und Juan Carlos kümmern sich etwa 40 Helfer aus etlichen Ländern um die Tiere. Die Organisation jedoch ist schlicht ein Chaos. Zwei der freiwilligen Helferinnen sind schon etwas länger dort (2 Wochen) und nehmen sich und ihre "Arbeit" sehr wichtig, spielen sich als unentbehrliche Chefs auf, während andere es unheimlich cool finden, mit einem Affen auf der Schulter herum zu laufen (der sie nebenbei vollscheißt und -pisst). Eine Deutsche hat gar die Nacht bei "ihren" Affen in einer Hängematte verbracht. Die Affen haben auf ihr geschlafen, morgens sah sie aus wie ein Affenklo und hatte auch deren Läuse geerbt. Eine Amerikanerin rief ihren Affen mit "Come to Mummy". Die Arbeit der meisten Helferinnen dort besteht in der Beaufsichtigung jeweils eines Affen. Die finden in ihren Aufsichtspersonen ein prima Klo und beißen zum Dank auch mal kräftig zu, wenn ihnen was nicht passt.

Weniger Personal ist für die zahlreichen kranken Affen da. Die leiden an einer nicht diagnostizierten Durchfallerkrankung. Eine Veterinärstudentin und eine weitere Helferin betreuen sie. Auf Sylvias Angebot, bei der Versorgung der kranken Affen zu helfen, wurde erst zurückgegriffen, als wir fahren wollten und zwei der Affen im Sterben lagen. In dem Augenblick kam jedoch jede Hilfe zu spät. Wir hätten noch geeignete Medikamente gehabt, um das Elend der Affen zumindest zu verkürzen, aber es gab keine geeigneten Nadeln zur Injektion. Als wir unsere Sachen fertig gepackt hatten, waren die Affen tot, die hilflosen Helferinnen heulten und wir sind nach nur drei Tagen weitergefahren. Bei aller Kritik ist solch ein Park jedoch auch sinnvoll. Die Tiere stammen aus privater Hand (einige der Affen waren als Taschendiebe ausgebildet), aus einem Zirkus oder Zoo und sind nicht mehr in der Lage, frei zu leben. Gegen den Park gibt es seitens der Kommune Villa Tunari einigen Widerstand (an dem Standort war früher ein Jagdrevier) und Unterstützung vom Staat gibt es keine. Das ein oder andere funktioniert dort auch, etwa die Versorgung der Papageien und Schildkröten. Die Organisation insgesamt jedoch ist mit "bescheiden" nur unzureichend beschrieben.

Kirche, San JavierDer Zeitpunkt unserer Abreise war allerdings gut gewählt, wie sich heraus stellte. Wir sind ungefähr eine Stunde vor Beginn einer neuen Straßenblockadenaktion durchgekommen. Villa Tunari war Anfang des Jahres schon für drei Monate abgeriegelt, also haben wir Gas gegeben. Die Straße war frei und wir sind bis hinter Santa Cruz gefahren, haben eine Nacht in der Ente campiert und sind morgens gleich weiter Richtung Concepción. 11 km vor San Javier haben wir eine Radfahrerin überholt und, wie immer bei Radreisenden, angehalten und gefragt, ob sie Wasser braucht. Eine Stunde haben wir mit Juliane am Straßenrand gesessen und geplaudert, uns dann in San Javier wieder getroffen. Da es zum Weiterfahren zu spät war, haben wir uns den Ort und die schöne Jesuiten-Holzkirche angesehen und dann eine Unterkunft gesucht.

Zelten auf der Farm von Carlos, San JavierVier km außerhalb sind wir auf einem Campo (Farm) fündig geworden. Auf einer Weide an einem kleinen See konnten wir unsere Zelte aufschlagen. In den Ferien kommen Bolivianer aus Santa Cruz zum Wochenendurlaub auf die Farmen in der Gegend und so gab es sogar ein kleines Häuschen mit Dusche und WC auf der Wiese. Eine Nacht wollten wir nur bleiben, daraus wurden sechs. Wir haben die Sonne genossen, waren im See schwimmen, haben die Tiere beobachtet (unzählige Vogelarten, Riesenmeerschweine mit Jungen, ein Babykrokodil - die Mutter haben wir leider nicht gesehen, aber beim Schwimmen war uns doch etwas mulmig) oder den Caballeros bei der Arbeit zugesehen, wie sie zu Pferd die Rinder von der Weide in die Koppel getrieben haben. Wenn es irgendwo noch echte Cowboys und Wildwestflair gibt, dann hier. Nachmittags sind wir mit der Ente in den Ort gefahren, haben eingekauft und am Abend gekocht. Ab dem zweiten Abend kam Carlos, der Verwalter der Farm (das Land gehört seiner Familie) zum Essen, brachte Wein mit und wir haben bis in die Nacht zusammen gesessen. Zum Glück konnte Juliane gut spanisch, was die Unterhaltung erleichterte. Es war nicht leicht aufzubrechen, aber irgendwann muss es ja weitergehen. Über Concepción und San Ignacio (beide Orte mit schöner Holzkirche, von Jesuiten erbaut und mittlerweile von einem Schweizer restauriert) sind wir die fast 500 km auf staubiger Piste bis nach San Jose de Chiquitos gefahren.

Auch hier haben die Jesuiten um 1750 eine prächtige Kirche, diese aus Stein, erbaut. Der Ort mit seinen staubigen Straßen und überdachten Gehsteigen erinnert an eine Wildweststadt und die Leute sind freundlich. Mittags ist der Ort wie ausgestorben, Siesta. Erst am späten Nachmittag füllt sich die Plaza vor der Kirche, die Geschäfte machen auf. Montags kommen die Mennoniten, eine Religionsgemeinschaft deutschsprachiger (extremes Plattdeutsch) Weißer, die in einer 45 km entfernten Kolonie leben, zum Verkauf ihrer Produkte in den Ort. Die Frauen tragen lange Kleider und Haare, Kopftuch oder Hut, die Männer Latzhose, Hemd und Hut. Selbst die kleinsten Kinder sind schon so gekleidet. Die Mennoniten sind auf der Suche nach einem Gebiet, in dem sie unbehelligt nach ihren Regeln leben können, in dieser Gegend gelandet. Ihre Kinder gehen nicht zur Schule, werden nur in Lesen, Schreiben und Rechnen innerhalb der Gemeinde unterrichtet. Sie leben in Kolonien, vorwiegend von dem, was sie selbst produzieren. Konsumgüter, Fernsehen, Autofahren oder dergleichen gibt es dort nicht, selbst Musik zum reinen Vergnügen ist nicht erlaubt, nur Lobgesänge für Gott.

Wir sind jetzt schon seit drei Tagen hier, werden aber morgen weiterfahren und sind immer noch nicht ganz sicher, wohin. Die Piste nach Corumbá/Brasilien ist etwa 400 km lang und sandig. Die parallel laufende Bahn hat sogar Plattformwagons für Fahrzeuge. Die andere Möglichkeit wäre in den Chaco/Paraguay, wobei wir nicht wissen, ob sich die politische Lage dort beruhigt hat. Die Piste dorthin soll aber nicht besser und quasi unbefahren sein. Es scheint keine Orte und Versorgungsmöglichkeiten zu geben und wie die Grenzabfertigung läuft, kann uns auch keiner sagen. Wir fahren in jedem Fall erst einmal bis Robore, 170 km weiter östlich und versuchen dort weitere Infos zu bekommen.

Auf die Fahrt sind wir gespannt, denn bald jeder rät uns von beiden Strecken ab, sie seien, wenn überhaupt, nur mit einem 4x4 zu schaffen. 
Jetzt hoffen wir nur noch, bald ein Internet-Café zu finden, denn seit Cochabamba haben wir keines mehr gesehen.

Bachdurchfahrt in Ost-Bolivien(August 2002) Von San Jose de Chiquitos sind wir tatsächlich mal früh in Richtung Robore aufgebrochen, haben aber trotzdem dort einen Tag Pause gemacht, um uns etwas zu erholen. Die Piste war sehr sandig und unsere Frage unterwegs, wozu wir die teuren Sandbleche gekauft hatten, die wir auf der ganzen Reise noch nicht einmal gebraucht hatten, wurde -kaum gestellt- auch schon beantwortet. Drei Mal auf 300 Metern blieben wir hängen. So wurde es Nachmittag, bis wir völlig verstaubt in Robore ankamen. Der weitere Weg bis Corumbá (Brasilien) war auch nicht viel besser, aber weitere Sandblech-Einsätze blieben aus.
 

Brasilien

(August 2002) Corumbá hat uns gut gefallen. Im Pantanal schön gelegen, die Leute freundlich und recht locker (Brasilien eben), ein riesiges Angebot an Waren in den Geschäften (nach Wochen in Ostbolivien irgendwie unwirklich) und Juliane haben wir zufällig auch wieder getroffen.

Leider ist unsere Ente auf dem Hotelparkplatz, der 2½ Meter hoch ummauert war, aufgebrochen worden. Zwar ist nichts geklaut worden (war ja auch nichts drin), aber die Hecktüren sind seitdem arg beschädigt.

Wasserfälle von IguaçuDa der Einbruch ohne Hilfe aus dem Hotel (Tor aufgeschlossen oder offengelassen) kaum zu machen war, sind wir direkt abgereist, Richtung Foz do Iguaçu, mit Juliane auf der Ladefläche. Nach einer schönen Fahrt kamen wir wenige Tage später in Foz an. Auf dem Campingplatz machte auch eine englische Overland Company (Reiseveranstalter, die mit LKW und Kofferaufbau vorwiegend junge Gäste durch die Welt fahren) halt. Adam, den Fahrer, hatten wir schon in Peru kennengelernt und seine Truppe war prima. So haben wir uns zusammen die Iguaçu-Wasserfälle auf der brasilianischen und auf der argentinischen Seite angesehen.
Was Naturschönheiten anbelangt, sind die Wasserfälle ein echtes Highlight, einfach nur beeindruckend.
 

Paraguay

(August 2002) Im Windschatten des englischen Trucks sind wir weiter nach Asuncion (Paraguay) und weiter Richtung Süden nach Hohenau, eine deutsche Kolonie. Dort sind wir eine Woche geblieben, da uns der Campingplatz/Campo von Ruben und Carla so gut gefallen hat und die beiden so nett waren uns einzuladen. Sie stammen von deutschen Auswanderer-Familien ab und sprechen auch noch deutsch, wie viele in Hohenau. Ruben ist Oldtimerfan, hat einen 64er Mercedes-Allrad-LKW und einen 43er Mitsubishi-Jeep. Beide Wagen fährt auch sein Sohn Alex, der aber auch einen eigenen 74er Brasilia hat, mit dem er morgens zur Schule fährt. Alex ist 12 Jahre alt und fährt, seitdem er 6 Jahre alt ist, Auto!

In Hohenau stand leider auch wieder mal Abschied auf dem Programm. Von Juliane, Adam und seiner Gruppe und, als wir weiter fuhren, auch von Ruben, Carla und den Kindern.
 

Grab von Carlos Gardel, Buenos AiresBuenos Aires II

(August/September 2002) Unser nächstes Fernziel war Buenos Aires und damit die letzte Station der Südamerika-Fahrt. Da die geplante Verschiffung in die USA (auch) nicht klappte, blieben wir drei Wochen in B.A., wieder bei Pater Paul.

Am Ende wären wir gerne noch länger in der Stadt geblieben. Weil uns Buenos Aires super gut gefällt, weil wir den Abschied von Pater Paul und den anderen Leuten, die wir dort mittlerweile kennen gelernt haben, gerne raus gezögert hätten (wer weiß, wie lange es dauert, bis wir sie wiedersehen) und weil wir uns eine Woche vor Abfahrt noch eine Kastenente gekauft haben und der damit anstehende Export doch recht aufwändig war.
 

Rückreise nach Deutschland

(September/Oktober 2002) Ende September waren wir und unsere beiden Kastenenten an Bord. Wieder mit der Repubblica di Genova ging es über Paranagua, Santoz, Rio, Dakar und Tilbury zurück nach Hamburg.

Die Seereise war nicht ganz so spannend wie auf dem Hinweg. Bis auf den Kommandante und einen Seemann hatte die Mannschaft leider komplett gewechselt.

Dafür hatten wir angenehme Begleitung, vier weitere Passagiere. Ingelore & Rolf, die ein Jahr mit ihrem Allrad-MAN unterwegs waren und Christine mit ihrem Sohn Lionel aus Frankreich, die ebenfalls ein Jahr lang im WoMo unterwegs waren.

Jetzt sind wir wieder in Deutschland. Wann und wie es genau weitergeht, ist wieder unklar, da bei uns zuhause so ziemlich alles schief gelaufen ist, während wir weg waren. Fest steht nur, dass wir Ende März oder Anfang April in Richtung Baltikum ...... Kasachstan, Mongolei aufbrechen wollen, voraussichtlich in Begleitung einer zweiten Ente.

Die Fortsetzung gibts im Teil Asien I.

Viele Grüße
Gisbert und Sylvia


 
© Sylvia Giese und Gisbert Frech
Kontakt: weltreise@sylviaundgisbert.de
Redaktion: Klaus Gerlach