One World - One Way

Die Weltreise von 
Sylvia Giese und Gisbert Frech
und ihrer Ente



Südamerika II

 

Die Bücher zur Reise

Warum nicht Cochabamba - Titelblatt
Warum nicht Cochabamba
Mit der Ente auf Umwegen über
Kleinasien nach Südamerika
 

Mongolei-Express - Titelblatt
Mongolei-Express
Ein Reisebericht

 

Anfang

Der erste Anlauf

Südamerika I

Südamerika II

Südamerika III

Asien I

Bildergalerie

Kontakt

Gisbert Frech Verlag

2CV-
Ersatzteilversand

Den vorigen Teil gibts unter Südamerika I.

Peru I

(Juni 2002) Wir haben es doch geschafft uns wieder aufzuraffen und weiter ging es, jetzt nach Peru. Der Grenzübergang verlief relativ unproblematisch, sieht man davon ab, dass der Grenzbeamte ein wenig überfordert mit seiner Aufgabe war, es reisen halt nicht so viele mit eigenem PKW, die letzten hatten am 06.02.02 die Grenze passiert, da leidet die Routine ein wenig.

Jetzt sind wir also in Peru, einem Land der Gegensätze. Eigentlich gefällt es uns ganz gut, gäbe es nicht die ganzen Geschichten. Wir waren bislang in Nasca, Lima und jetzt sind wir in ChanChan, haben ungefähr 2.200 km zurück gelegt und werden jetzt auf dem kürzesten Weg weiter nach Ecuador fahren. Das heißt, wir werden viele Sehenswürdigkeiten in Peru nicht sehen.

Warum? Das hat mehrere Gründe:
Die Kriminalität hier ist erschreckend, zum Glück hatten wir bislang keinerlei Probleme, aber wir sind auch extrem vorsichtig. Genau das nervt aber auch. Vermeintlich sichere Hotels sind teuer, wir schlafen kaum eine Nacht in der Ente, parken den Wagen nirgendwo unbeaufsichtigt, fotografieren wenig und beobachten ständig unsere Umgebung. In Nasca etwa tauchte so ein schwindelig aussehender Typ eine halbe Stunde lang ständig in unserer Umgebung auf, an drei verschiedenen Orten schlenderte er 20 Meter hinter uns her, lehnte auffällig unauffällig an einer Hauswand. Das ist kein unbeschwertes Reisen, es nervt. Wie hoch die Gefahr ist, wirklich zum Opfer zu werden, lässt sich natürlich nicht genau sagen und Räubergeschichten werden gerne rumgetragen. Allerdings haben wir schon drei Leute kennen gelernt, die derartige Erfahrungen gemacht haben. Eine Frau, der sie die Ohrringe abgerissen haben. Anschließend kam die Touristenpolizei mit ihren Ohrringen, meinte, sie müsste mit dem Auto mitfahren zur Wache, was sie zum Glück nicht gemacht hat. Woher wussten die Polizisten, die zufällig nach einer halben Stunde einen Dieb fangen, dass es ihre Ohrringe waren? Ernestos Frau ist in Puno auf der Straße bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und dann ausgeraubt worden und einen Deutschen haben wir getroffen, der in La Paz von Polizisten mitgenommen wurde. Bei der anschließenden Durchsuchung nach Drogen ist er um sein Geld erleichtert worden.

Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass die Begegnungen, die wir bislang hatten, überwiegend freundlich und interessant waren. 
Nasca: Hier gibt es die Nasca-Lineas und Geoglyphen. Linien, Formen und geometrische Figuren, die in den Wüstenboden geritzt wurden und immer noch erhalten sind. Gisbert hat einen Flug mit einem kleinen Flugzeug gemacht und es nicht bereut, es muss unvorstellbar sein, diese Linien, von denen manche mehrere Kilometer lang sind, aus der Luft zu betrachten. Meine Flugangst hat mich leider dieser Attraktion beraubt, aber zumindest habe ich zwei von einem Aussichtsturm betrachten können.

Mumien, NascaDann gibt es in Nasca noch die Mumiengräber. Die Mumien sind leider keine mehr, denn die Präsentation der Mumien in ihren Gräbern und die damit verbundene Belastung durch die Umwelt hat sie mittlerweile zu Skeletten werden lassen. Nichtsdestotrotz war der Ausflug ein Erlebnis, aber eigentlich mehr wegen der Umgebung. Denn das ganze Gebiet (850 x 2.000 Meter) ist von Plünderern umgepflügt worden. Überall liegen menschliche Knochen, Haare, zerbrochene Gefäße und Kleiderreste herum, alle älter als 1.000 Jahre. Grabräuber haben nicht nur alles geplündert (und tun dieses auch heute noch), sondern sie haben einfach alles nicht Brauchbare, wie etwa die Toten, auf den Wüstenboden geschmissen. Unvorstellbar und erschreckend so etwas zu sehen.

In Lima waren wir von einem Beamten des BGS eingeladen worden, den wir in Nasca kennen gelernt hatten und haben zwei Tage dort verbracht. Die Stadt ist wie die meisten Großstädte ein Moloch. Chaotisch, riesig, laut, dreckig und doch beeindruckend.

Von Lima bis ChanChan wieder Wüste. 600 km nur felsige Berge mit reichlich Sand dazwischen. Teilweise riesige Sanddünen, über die sich die Straße windet. Zwischendurch gibt es fruchtbare Ebenen oder Täler, die besiedelt sind. Leider ist es, seit wir an der Küste und auf der Panamericana sind, nebelig. Die etwa 2.500 Jahre alte Stadt ChanChan, bei Trujillo gelegen, ist unvorstellbar groß. Aus leichten sandigen Lehmziegeln zu einer Zeit gebaut, als es hier quasi keine Niederschläge gab, sieht sie heute aus wie eine Sandburg nach einem Gewitterregen. Regelrecht zerschmolzen. Wie imposant die Stadt einmal war ist auch heute noch zu erkennen.

Strandszene mit typischen Fischerbooten. MancoraMorgen reisen wir weiter, werden auf dem Weg nach Norden noch zwei Stationen besichtigen, dann nach Ecuador fahren, um in Manta ein Schiff zu nehmen und unsere Ente nach Panama zu bringen. Ob es allerdings in der Beziehung Sicherheit in Zentralamerika besser wird, wage ich zu bezweifeln, na ja, hätte nie gedacht, dass wir uns einmal so freuen würden bald in den USA zu sein. Aber Überraschungen gibt es ja immer wieder.
 

Ecuador

(Juni 2002) Gestern morgen sind wir von Guayaquil/Ecuador, von wo aus wir nach Panama verschiffen wollten, wieder nach Peru zurück gefahren. Nachdem wir festgestellt hatten, dass von Manta/Peru aus zur Zeit kein zum Autotransport geeignetes Schiff nach Norden fährt, sind wir doch nach Guayaquil gefahren, denn dort befindet sich der größte Containerhafen Ecuadors. Das beste Angebot kam von der Schifffahrtsgesellschaft Marglobal. Der Transport des Containers nach Manzanillo/Panama sollte 1075 US$ kosten. Das Schiff sollte am Dienstag, den 25.6.02, ablegen und 5 Tage später Manzanillo erreichen. Wir hätten fliegen müssen. Zwei Flüge von Guayaquil nach Panama Stadt kosten 680 US$.

So waren wir am Montag, den 24.6.02 im Büro von Marglobal. Wie zu erwarten zog sich der Papierkram mit dem Zoll eine Weile hin und es wurde Abend, ohne dass unsere Papiere fertig waren oder wir unser Auto verladen konnten. Zwei weitere Dinge missfielen uns, zum Einen kamen plötzlich zu dem eh stolzen Preis noch weitere 500 US$ für den Agenten, den Zoll und die Verladung dazu. Etwa die gleiche Summe wäre auch in Panama fällig. Zum Anderen war es der Zielhafen. Auf unserer Karte war dieser gar nicht verzeichnet und auch im Reisehandbuch wurde er nicht erwähnt. Bei Marglobal erfuhren wir, daß Manzanillo zu Colon gehört. Angesichts der Warnungen vor der immens hohen Kriminalität in gerade dieser Stadt war uns nicht wohl bei der Aussicht, ausgerechnet dort auf das Schiff zu warten und dort womöglich sogar Tage zu verbringen, um das Auto aus dem Zoll zu bekommen.

Kirche in GuayaquilDoch es war ja schon alles in die Wege geleitet, unsere Papiere bereits beim Zoll, das Geld hatten wir während der Wartezeiten bei einer Bank abgehoben, da Marglobal nur Barzahlung akzeptiert. In der Bank tauchte noch ein weiteres Problem auf, unsere Visakarte war gesperrt, warum wussten wir nicht, da unser Konto extra für die Verschiffung aufgestockt war. Also mussten wir eine andere Bank finden, um mit unserer Masterkarte das erforderliche Geld zu bekommen. Als wir am Abend im Büro von Marglobal für die Verladung des Autos auf Dienstag (mañana = morgen ist das Zauberwort in Südamerika) vertröstet wurden, sind wir zum Hotel zurück.

Dort machten wir eine üble Entdeckung. Die abgehobenen 1000 US$ waren in meinem Bauchgurt, den ich unter der Hose trug. Der Reißverschluss des Bauchgurtes war kaputt, 60 US$ hingen in meinem Hosenbein, das restliche Geld war weg. Während wir durch die Stadt gingen, war uns ein Mann aufgefallen, der eine Weile hinter uns her lief, zu dicht und über mehrere Querstraßen hinweg, so dass wir schließlich stehen blieben bis er weiterging. Zu diesem Zeitpunkt war das Geld aber bereits weg. Ungünstig war, dass sich der an diesem Tag reichlich mit US$ gefüllte Bauchgurt durch den Stoff abgezeichnet hat (zumal in der Bank keine großen Scheine vorrätig waren und wir alles in 10- und 20-US$-Noten bekommen haben). Überrascht hat uns die Geschicklichkeit des Diebes, denn ich habe nichts gemerkt.

Da wir nicht genug weiteres Geld abheben konnten, hatten wir keine Möglichkeit unser Auto am Dienstag zu verschiffen.

In der folgenden Nacht hielten wir eine Krisensitzung, um die Frage wie es nun weiter gehen sollte zu klären. Wir haben uns aus mehreren Gründen entschieden doch nicht zu verschiffen.

Der Preis, die lange Wartezeit und Sicherheitsfragen haben uns zur Änderung unserer Pläne veranlasst. Unseren ursprünglichen Plan, von Kolumbien eine Fähre zu nehmen, mussten wir wegen der bürgerkriegsähnlichen Zustände dort bereits Anfang des Jahres abschreiben, zumal der Fährbetrieb mittlerweile eingestellt ist.

Die Frage war nur, wie sollte es nun weiter gehen, zumal wir die USA und Kanada eigentlich nicht auslassen wollen.

Zunächst werden wir in Richtung Argentinien weiter reisen. Von dort aus fahren wir entweder mit dem Wagen auf dem Schiff zurück nach Europa und verschiffen dann unsere Ente nach Australien oder schicken sie von Argentinien aus direkt dorthin, je nachdem was günstiger ist. Von Australien aus soll es dann wie geplant weiter nach Indien und Zentralasien gehen und dann entweder von Wladiwostock oder von Europa aus in die USA, dem damit letzten Teil unserer Reise.
 

Peru II

(Juni 2002) Nachdem wir uns entschieden hatten, sind wir also am 28.6.02 morgens in Guayaquil losgefahren. Drei Stunden später waren wir an der Grenze zu Peru, die wir ohne Probleme passierten.

Die Probleme ließen aber nicht lange auf sich warten. Als wir den ersten Vorort der Stadt Tumbes, ungefähr 30 Kilometer hinter der Grenze erreichten, war die Panamericana auf einer Brücke blockiert. Wir sind von der Straße ab und durch den Vorort gefahren, bis die Piste durch das trockene Flußbett führte. Da diese Passage des Flussbettes und die Uferböschungen sehr sandig und tief zerfurcht waren und auf der anderen Seite ein schwerer Geländewagen stand, mussten wir anhalten und wurden sofort von etwa 30 Männern belagert, die Geld für die Durchfahrt wollten. Ich habe zurück gesetzt, um dem Geländewagen Platz zu machen. Der ist mit viel Schwung, um sich nicht fest zu fahren, durch. Als er vorbei war, bin ich direkt mit Tempo durch gefahren und glücklicherweise ist das auch gelungen, denn wir hatten nichts bezahlt und die Meute wurde aggressiv, schlug gegen unsere Ente und versuchte uns aufzuhalten.

Zurück auf der Panamericana standen wir bald vor der nächsten Blockade. Wieder sind wir von der Straße runter, haben uns anhand eines Berges und mit Kompass einen Weg durch Bananenplantagen und Gebüsch gesucht. Die Piste war extrem schwierig zu fahren, doch ein echtes Hindernis war ein Typ, der uns mit einer Handgranate bewaffnet an einer schwierigen Passage, die nur langsam zu befahren war, stoppte und Geld verlangte. Wir haben es geschafft ihn zu überzeugen, dass wir weder Soles (peruanische Währung) noch Dollar hätten, nur Kreditkarten und 250.000 türkische Lira. Wir haben uns gesträubt den Schein raus zu geben und er hat uns abgenommen, dass dieser 100 US$ wert sei und sich damit zufrieden gegeben.

GegenverkehrWir konnten weiter fahren und waren 4 km weiter in Coralles, einem kleinen Ort mit einer weiteren Blockade. Die örtlichen Polizisten haben wir gefragt, ob es nicht einen Weg darum herum gäbe und ihnen von dem Handgranaten-Erpressser erzählt. Der war den Polizisten freilich egal und eine "Umleitung" konnten sie uns auch nicht nennen, was weiter nicht verwundert, denn später sahen wir Polizisten, die die Blockierer zum "Schichtwechsel" zur Blockade und die anderen nach Hause brachten.

In dem Ort kam Sylvia mit den Insassen eines Kleinbusses ins Gespräch. Diese warteten schon seit dem Morgen im Ort und wollten wie wir dringend weiter. Den Gedanken die Nacht einfach im Auto zu verbringen hatten wir schnell wieder verworfen, da uns das zu gefährlich schien. Gespräche mit den Blockierern brachten auch kein Ergebnis, angeblich sollte die Blockade am nächsten Morgen kurzzeitig geöffnet werden, was aber sowieso niemand wirklich glaubte. (Es ist auch nicht eingetreten, denn bis heute, 28.6. Abend, ist kein LKW oder Bus aus Norden in Mancora angekommen.) Zusammen mit der Kleinbus-Besatzung haben wir nach Möglichkeiten gesucht. Dabei haben wir erfahren, dass es noch mindestens fünf weitere Blockaden bis zur Panamericana gibt und warum die Leute überhaupt die Straßen blockieren. Es gibt eine Landwirtschafskooperative, die mehr Geld von der Regierung für ihre Produkte fordert und überhaupt, man ist ja generell unzufrieden mit der Regierung. Sich mit Straßenblockaden Gehör zu verschaffen ist in Peru sehr beliebt.

Unsere Überlegungen weiter zu kommen gingen sogar bis zu dem Gedanken, gewaltsam durch zu brechen, doch haben wir den bald wieder aufgegeben. Die Blockaden bestehen meistens aus brennenden Reifen, an einigen sind aber auch Bäume über die Straße gelegt. Zusätzlich sind noch reichlich zerschlagene Glasflaschen über die Straße gestreut und das größte Problem sind die Leute. Abgesehen von dem Risiko, jemanden beim Durchbruch zu verletzen, sind diese Blockierer extrem aggressiv. Sie stehen mit großen Steinen und Macheten dort und greifen Autos, die zu nahe kommen, an. Ein Todesopfer und Verletzte gab es bereits an diesem Tag.

Zusammen mit dem Kleinbus (Ford Explorer im schrottreifen Zustand) haben wir über eine Piste versucht, die Blockade am Ortsausgang von Coralles zu umgehen. Der Kleinbus ist im Sand steckengeblieben, der Weg führte um die Blockade herum, doch kurz danach kam direkt die Nächste. Wieder in Coralles haben die beiden Fahrer es mit Verhandlungen und Gesprächen mit den Blockierern versucht. Es war mittlerweile dunkel. Nach etwa einer Stunde fand sich eine kleine Gruppe der Blockierer, zu denen der Organisator dieser Blockade gehörte, die für 50 US$ bereit waren, uns um die Blockaden herum oder sogar hindurch zu leiten. Die 50 US$ haben wir bereit gestellt, da die gesamte Kleinbusbesatzung nicht so viel hatte. Es dauerte dann noch eine Weile, bis es los ging. Ein Einvernehmen uns durch zu lassen gab es seitens der Blockierer jedoch nicht, so klebten wir an beiden Autos je einen Scheinwerfer ab, damit wir im Dunkeln wie Motorräder aussehen würden, denn diese durften passieren. Sylvia musste in den Ford, während einer der käuflichen Blockierer zu mir ins Auto kam, um bei eventuellen Angriffen zu vermitteln. Auf dem bereits bekannten Weg umfuhren wir die erste Blockade. Wieder auf der Asphaltstraße ging es ohne Licht im Schritttempo durch drei unbesetzte Blockaden. Zwei bestanden aus noch glimmenden Reifen, eine aus Steinbrocken und Ästen. Die nächste Blockade war wieder besetzt und das Feuer brannte noch. Wir mussten stehen bleiben und eine Gruppe von Männern, bewaffnet mit Taschenlampen und Macheten, kam. Ich bin im Auto geblieben, der "Gekaufte" ging zum Ford. Einige der äußerst aggressiven Männer sind in den Ford, haben den Leuten und auch Sylvia, die hinten saß, mit den Taschenlampen ins Gesicht geblendet, gebrüllt und mit den Macheten gedroht. Ich habe davon nicht viel mit bekommen, denn die Männer haben sich nur auf den Ford konzentriert, aber die Situation war brenzlig und Sylvia sagte später, als sie wieder bei mir in der Ente saß, dass sie noch nie soviel Angst gehabt hätte wie in diesem Moment.

Wir sind umgedreht und einige hundert Meter zurück auf eine Piste quer durch die Plantagen eingebogen. Soweit möglich ohne Licht ging es einige Kilometer über diese Piste. Dort zu fahren war der gefährlichste Wahnsinn bis dahin. Der Weg war gerade so breit wie der Kleinbus, zerfurcht und sandig, die Äste hingen über den Weg und schlugen gegen die Autos. An einigen Stellen ging es durch hüfthohe Sträucher und die ganze Zeit an einem kleinen Fluss entlang, zu welchem es direkt neben der Piste steil bergab ging.

In den Anden, PeruGenauso wie ein weiterer alter Dodge, der sich uns zwischendurch angeschlossen hatte, musste ich in der Staubwolke des Fords versuchen auf dem Weg zu bleiben. Angesichts der Gefahr entdeckt zu werden, fuhren wir mit hohem Tempo. Einmal rutschte die Ente einige Meter nach rechts seitwärts in eine Mulde, weil ich in der Staubwolke die Fahrspur verloren hatte. Mit voll eingeschlagenen Rädern und Vollgas bin ich rausgekommen. Am Ende der Piste erreichten wir die Panamerikana und verabschiedeten uns von den 50-US$-Führern in der Annahme es geschafft zu haben und fuhren weiter, Sylvia wieder neben mir. Doch nicht weit, bis wir das nächste Feuer auf der Straße ausmachen konnten. Zuerst sind wir mit Tempo durch eine Sperre aus nur noch glühenden Reifen gefahren, diese war aber nicht bewacht, doch nur wenig weiter war eine weitere große Blockade. Neben einem Polizeiwagen, etwa 400 Meter vor der Blockade, hielten wir in der Hoffnung, die Polizisten würden uns zumindest vor gewaltsamen Übergriffen schützen. Doch die haben wenige Minuten später die abgelöste Schicht der Blockierer nach Hause gefahren. Eine weitere Stunde standen wir dort, einer der Fahrer des Ford ist zur Blockade und hat mit den Anführern dort gesprochen, während wir am Auto mit einem der Blockierer redeten. Er wollte wissen, aus welchem Land wir kommen und ob wir das erste Mal in Peru seien. "Das erste und garantiert das letzte Mal", sagten wir ihm. Einige Zeit nachdem er weg war, kam der Fahrer des Ford und meinte, wir sollten los, sie würden uns, aber auch nur uns, durch lassen. Trotzdem folgte uns der Dodge. An der aus Bäumen und brennenden Reifen bestehenden Blockade standen mit Macheten und großen Steinen bewaffnete Männer. Für uns wurden die Bäume zur Seite geräumt, den Dodge jedoch haben sie angegriffen, er musste umkehren. Plötzlich waren wir durch und es war tatsächlich die letzte Blockade. Warum sie uns durch gelassen haben wusste keiner von uns, ob unsere Bemerkung zum "Traumreiseland" Peru oder die Verhandlungen des Fahrers dazu beigetragen haben, es war uns letztlich egal. Wir waren durch und keinem ist irgend etwas passiert. Bis Mancora sind wir zusammen weiter gefahren, bevor wir uns verabschiedet und den uns bekannten Campingplatz aufgesucht haben. 
Hier erholen wir uns jetzt zwei oder drei Tage und versuchen brauchbare Informationen für den weiteren Weg zu bekommen, denn wie wir mittlerweile erfahren haben, gibt es noch in einigen weiteren Landesteilen Unruhen, etwa in der Region Arequipa, durch die wir müssen, um wieder zum Titicacasee zu gelangen. Aber auch das Grenzgebiet nach Chile soll gesperrt sein, in Lima wird demonstriert und an weiteren Orten gibt es ähnliche Probleme.

Der Verkauf der staatlichen Ölgesellschaft, die miserable Regierung, gewaltsames Vorgehen in den Drogenanbaugebieten seitens der Regierung und vieles andere sind die Gründe und das Land erstickt im Chaos.

(Juli 2002) Nach den Straßenblockaden um Tumbes sind wir einige Tage im Surferparadies Mancora geblieben. Bei angenehmen 30 Grad, guter Unterkunft und schönem Strand haben wir etwas ausgeruht und Informationen gesammelt. Was wir vor Ort erfahren konnten, waren bestenfalls Gerüchte, und die hörten sich nicht gut an. Am hilfreichsten war die Anfrage bei der DZG (Deutsche Zentrale für Globetrotter), die Christel Loock weitergeleitet hat. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir reichlich E-Mails mit Informationen zur Lage in Peru und zu unserer Frage, ob die auf unserer Karte eingezeichnete Strecke über Pucallpa nach Rio Branco wirklich existiert. Wir haben uns mit der Entscheidung noch etwas Zeit gelassen, sind erstmal nach Trujillo weiter gefahren. Unterwegs haben wir an Tankstellen, bei Polizisten und Busfahrern weiter nachgefragt und in Trujillo noch mehr Infos aus der DZG erhalten. Ergebnis: Eine Piste nach Rio Branco existiert scheinbar nicht mehr. Eine reizvolle Alternative wäre es gewesen mit einem Boot von Pucallpa nach Iquitos und von dort aus nach Manaus zu fahren. Bis nach Iquitos wäre das sogar noch relativ günstig gewesen, aber von dort nach Manaus kostet es wohl etwa 600 US$, denn dass es von dort aus nur mit Boot weitergeht, lassen sich die Leute entsprechend bezahlen.

Allerdings hatte sich die Lage in Peru anscheinend etwas beruhigt, wenn auch in Arequipa noch Ausgangssperre war und Tacna wohl immer noch unpassierbar war, so schien doch der Rest frei zu sein. Als wir von Jochen, einem deutschen Motorradfahrer, erfuhren, dass es eine recht neue und freie Strecke über Moquegua nach Ilave gibt, haben wir uns entschieden über diesen Weg wieder nach Bolivien zu fahren. Es dauerte noch drei Tage, bis wir weiterfahren konnten, denn ein leckeres Eis hat unseren Innereien etwas zu schaffen gemacht. Die Entscheidung war aber gut. Abgesehen von zwei kleinen Demonstrationen und einigen Resten der Straßenblockaden sind wir ohne Probleme durch gekommen und hatten gleichzeitig die schönsten Etappen auf unserer Perureise. Einzigartige Landschaft, eine weitere Andenüberquerung (diesmal 4755 Meter hoch - und die Ente fährt prima) und, von 80 km schwerer Piste abgesehen, prima Straßen.

Stierkampf in CopacabanaJetzt sind wir wieder in Copacabana. Vorgestern Abend sind wir hier angekommen und gerade haben wir erfahren, dass morgen in der Region Puno-Juliaca, also da, wo wir her gefahren sind, wieder Generalstreik ist. Das heißt Straßenblockaden, fliegende Pflastersteine usw.

Zum Abschluss auch hier nochmal ein großes Danke an alle aus der DZG, die uns mit Informationen versorgt haben. Es hat uns weiter geholfen, auch wenn uns gute Infos ja nur ums Abenteuer prellen, wie Armin meint. Aber Abenteuer war die Geschichte in Tumbes wirklich erstmal genug!

Die Fortsetzung gibts im Teil Südamerika III.

Viele Grüße
Gisbert und Sylvia
 


 
© Sylvia Giese und Gisbert Frech
Kontakt: weltreise@sylviaundgisbert.de
Redaktion: Klaus Gerlach