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Die Weltreise
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Den vorigen Teil gibts unter Südamerika
I.
Peru I (Juni 2002) Wir haben es doch geschafft uns wieder aufzuraffen und weiter ging es, jetzt nach Peru. Der Grenzübergang verlief relativ unproblematisch, sieht man davon ab, dass der Grenzbeamte ein wenig überfordert mit seiner Aufgabe war, es reisen halt nicht so viele mit eigenem PKW, die letzten hatten am 06.02.02 die Grenze passiert, da leidet die Routine ein wenig. Jetzt sind wir also in Peru, einem Land der Gegensätze. Eigentlich gefällt es uns ganz gut, gäbe es nicht die ganzen Geschichten. Wir waren bislang in Nasca, Lima und jetzt sind wir in ChanChan, haben ungefähr 2.200 km zurück gelegt und werden jetzt auf dem kürzesten Weg weiter nach Ecuador fahren. Das heißt, wir werden viele Sehenswürdigkeiten in Peru nicht sehen. Warum? Das hat mehrere Gründe:
Auf der anderen Seite muss ich sagen,
dass die Begegnungen, die wir bislang hatten, überwiegend freundlich
und interessant waren.
In Lima waren wir von einem Beamten des BGS eingeladen worden, den wir in Nasca kennen gelernt hatten und haben zwei Tage dort verbracht. Die Stadt ist wie die meisten Großstädte ein Moloch. Chaotisch, riesig, laut, dreckig und doch beeindruckend. Von Lima bis ChanChan wieder Wüste. 600 km nur felsige Berge mit reichlich Sand dazwischen. Teilweise riesige Sanddünen, über die sich die Straße windet. Zwischendurch gibt es fruchtbare Ebenen oder Täler, die besiedelt sind. Leider ist es, seit wir an der Küste und auf der Panamericana sind, nebelig. Die etwa 2.500 Jahre alte Stadt ChanChan, bei Trujillo gelegen, ist unvorstellbar groß. Aus leichten sandigen Lehmziegeln zu einer Zeit gebaut, als es hier quasi keine Niederschläge gab, sieht sie heute aus wie eine Sandburg nach einem Gewitterregen. Regelrecht zerschmolzen. Wie imposant die Stadt einmal war ist auch heute noch zu erkennen.
Ecuador (Juni 2002) Gestern morgen sind wir von Guayaquil/Ecuador, von wo aus wir nach Panama verschiffen wollten, wieder nach Peru zurück gefahren. Nachdem wir festgestellt hatten, dass von Manta/Peru aus zur Zeit kein zum Autotransport geeignetes Schiff nach Norden fährt, sind wir doch nach Guayaquil gefahren, denn dort befindet sich der größte Containerhafen Ecuadors. Das beste Angebot kam von der Schifffahrtsgesellschaft Marglobal. Der Transport des Containers nach Manzanillo/Panama sollte 1075 US$ kosten. Das Schiff sollte am Dienstag, den 25.6.02, ablegen und 5 Tage später Manzanillo erreichen. Wir hätten fliegen müssen. Zwei Flüge von Guayaquil nach Panama Stadt kosten 680 US$. So waren wir am Montag, den 24.6.02 im Büro von Marglobal. Wie zu erwarten zog sich der Papierkram mit dem Zoll eine Weile hin und es wurde Abend, ohne dass unsere Papiere fertig waren oder wir unser Auto verladen konnten. Zwei weitere Dinge missfielen uns, zum Einen kamen plötzlich zu dem eh stolzen Preis noch weitere 500 US$ für den Agenten, den Zoll und die Verladung dazu. Etwa die gleiche Summe wäre auch in Panama fällig. Zum Anderen war es der Zielhafen. Auf unserer Karte war dieser gar nicht verzeichnet und auch im Reisehandbuch wurde er nicht erwähnt. Bei Marglobal erfuhren wir, daß Manzanillo zu Colon gehört. Angesichts der Warnungen vor der immens hohen Kriminalität in gerade dieser Stadt war uns nicht wohl bei der Aussicht, ausgerechnet dort auf das Schiff zu warten und dort womöglich sogar Tage zu verbringen, um das Auto aus dem Zoll zu bekommen.
Dort machten wir eine üble Entdeckung. Die abgehobenen 1000 US$ waren in meinem Bauchgurt, den ich unter der Hose trug. Der Reißverschluss des Bauchgurtes war kaputt, 60 US$ hingen in meinem Hosenbein, das restliche Geld war weg. Während wir durch die Stadt gingen, war uns ein Mann aufgefallen, der eine Weile hinter uns her lief, zu dicht und über mehrere Querstraßen hinweg, so dass wir schließlich stehen blieben bis er weiterging. Zu diesem Zeitpunkt war das Geld aber bereits weg. Ungünstig war, dass sich der an diesem Tag reichlich mit US$ gefüllte Bauchgurt durch den Stoff abgezeichnet hat (zumal in der Bank keine großen Scheine vorrätig waren und wir alles in 10- und 20-US$-Noten bekommen haben). Überrascht hat uns die Geschicklichkeit des Diebes, denn ich habe nichts gemerkt. Da wir nicht genug weiteres Geld abheben konnten, hatten wir keine Möglichkeit unser Auto am Dienstag zu verschiffen. In der folgenden Nacht hielten wir eine Krisensitzung, um die Frage wie es nun weiter gehen sollte zu klären. Wir haben uns aus mehreren Gründen entschieden doch nicht zu verschiffen. Der Preis, die lange Wartezeit und Sicherheitsfragen haben uns zur Änderung unserer Pläne veranlasst. Unseren ursprünglichen Plan, von Kolumbien eine Fähre zu nehmen, mussten wir wegen der bürgerkriegsähnlichen Zustände dort bereits Anfang des Jahres abschreiben, zumal der Fährbetrieb mittlerweile eingestellt ist. Die Frage war nur, wie sollte es nun weiter gehen, zumal wir die USA und Kanada eigentlich nicht auslassen wollen. Zunächst werden wir in Richtung Argentinien
weiter reisen. Von dort aus fahren wir entweder mit dem Wagen auf dem Schiff
zurück nach Europa und verschiffen dann unsere Ente nach Australien
oder schicken sie von Argentinien aus direkt dorthin, je nachdem was günstiger
ist. Von Australien aus soll es dann wie geplant weiter nach Indien und
Zentralasien gehen und dann entweder von Wladiwostock oder von Europa aus
in die USA, dem damit letzten Teil unserer Reise.
Peru II (Juni 2002) Nachdem wir uns entschieden hatten, sind wir also am 28.6.02 morgens in Guayaquil losgefahren. Drei Stunden später waren wir an der Grenze zu Peru, die wir ohne Probleme passierten. Die Probleme ließen aber nicht lange auf sich warten. Als wir den ersten Vorort der Stadt Tumbes, ungefähr 30 Kilometer hinter der Grenze erreichten, war die Panamericana auf einer Brücke blockiert. Wir sind von der Straße ab und durch den Vorort gefahren, bis die Piste durch das trockene Flußbett führte. Da diese Passage des Flussbettes und die Uferböschungen sehr sandig und tief zerfurcht waren und auf der anderen Seite ein schwerer Geländewagen stand, mussten wir anhalten und wurden sofort von etwa 30 Männern belagert, die Geld für die Durchfahrt wollten. Ich habe zurück gesetzt, um dem Geländewagen Platz zu machen. Der ist mit viel Schwung, um sich nicht fest zu fahren, durch. Als er vorbei war, bin ich direkt mit Tempo durch gefahren und glücklicherweise ist das auch gelungen, denn wir hatten nichts bezahlt und die Meute wurde aggressiv, schlug gegen unsere Ente und versuchte uns aufzuhalten. Zurück auf der Panamericana standen wir bald vor der nächsten Blockade. Wieder sind wir von der Straße runter, haben uns anhand eines Berges und mit Kompass einen Weg durch Bananenplantagen und Gebüsch gesucht. Die Piste war extrem schwierig zu fahren, doch ein echtes Hindernis war ein Typ, der uns mit einer Handgranate bewaffnet an einer schwierigen Passage, die nur langsam zu befahren war, stoppte und Geld verlangte. Wir haben es geschafft ihn zu überzeugen, dass wir weder Soles (peruanische Währung) noch Dollar hätten, nur Kreditkarten und 250.000 türkische Lira. Wir haben uns gesträubt den Schein raus zu geben und er hat uns abgenommen, dass dieser 100 US$ wert sei und sich damit zufrieden gegeben.
In dem Ort kam Sylvia mit den Insassen eines Kleinbusses ins Gespräch. Diese warteten schon seit dem Morgen im Ort und wollten wie wir dringend weiter. Den Gedanken die Nacht einfach im Auto zu verbringen hatten wir schnell wieder verworfen, da uns das zu gefährlich schien. Gespräche mit den Blockierern brachten auch kein Ergebnis, angeblich sollte die Blockade am nächsten Morgen kurzzeitig geöffnet werden, was aber sowieso niemand wirklich glaubte. (Es ist auch nicht eingetreten, denn bis heute, 28.6. Abend, ist kein LKW oder Bus aus Norden in Mancora angekommen.) Zusammen mit der Kleinbus-Besatzung haben wir nach Möglichkeiten gesucht. Dabei haben wir erfahren, dass es noch mindestens fünf weitere Blockaden bis zur Panamericana gibt und warum die Leute überhaupt die Straßen blockieren. Es gibt eine Landwirtschafskooperative, die mehr Geld von der Regierung für ihre Produkte fordert und überhaupt, man ist ja generell unzufrieden mit der Regierung. Sich mit Straßenblockaden Gehör zu verschaffen ist in Peru sehr beliebt. Unsere Überlegungen weiter zu kommen gingen sogar bis zu dem Gedanken, gewaltsam durch zu brechen, doch haben wir den bald wieder aufgegeben. Die Blockaden bestehen meistens aus brennenden Reifen, an einigen sind aber auch Bäume über die Straße gelegt. Zusätzlich sind noch reichlich zerschlagene Glasflaschen über die Straße gestreut und das größte Problem sind die Leute. Abgesehen von dem Risiko, jemanden beim Durchbruch zu verletzen, sind diese Blockierer extrem aggressiv. Sie stehen mit großen Steinen und Macheten dort und greifen Autos, die zu nahe kommen, an. Ein Todesopfer und Verletzte gab es bereits an diesem Tag. Zusammen mit dem Kleinbus (Ford Explorer im schrottreifen Zustand) haben wir über eine Piste versucht, die Blockade am Ortsausgang von Coralles zu umgehen. Der Kleinbus ist im Sand steckengeblieben, der Weg führte um die Blockade herum, doch kurz danach kam direkt die Nächste. Wieder in Coralles haben die beiden Fahrer es mit Verhandlungen und Gesprächen mit den Blockierern versucht. Es war mittlerweile dunkel. Nach etwa einer Stunde fand sich eine kleine Gruppe der Blockierer, zu denen der Organisator dieser Blockade gehörte, die für 50 US$ bereit waren, uns um die Blockaden herum oder sogar hindurch zu leiten. Die 50 US$ haben wir bereit gestellt, da die gesamte Kleinbusbesatzung nicht so viel hatte. Es dauerte dann noch eine Weile, bis es los ging. Ein Einvernehmen uns durch zu lassen gab es seitens der Blockierer jedoch nicht, so klebten wir an beiden Autos je einen Scheinwerfer ab, damit wir im Dunkeln wie Motorräder aussehen würden, denn diese durften passieren. Sylvia musste in den Ford, während einer der käuflichen Blockierer zu mir ins Auto kam, um bei eventuellen Angriffen zu vermitteln. Auf dem bereits bekannten Weg umfuhren wir die erste Blockade. Wieder auf der Asphaltstraße ging es ohne Licht im Schritttempo durch drei unbesetzte Blockaden. Zwei bestanden aus noch glimmenden Reifen, eine aus Steinbrocken und Ästen. Die nächste Blockade war wieder besetzt und das Feuer brannte noch. Wir mussten stehen bleiben und eine Gruppe von Männern, bewaffnet mit Taschenlampen und Macheten, kam. Ich bin im Auto geblieben, der "Gekaufte" ging zum Ford. Einige der äußerst aggressiven Männer sind in den Ford, haben den Leuten und auch Sylvia, die hinten saß, mit den Taschenlampen ins Gesicht geblendet, gebrüllt und mit den Macheten gedroht. Ich habe davon nicht viel mit bekommen, denn die Männer haben sich nur auf den Ford konzentriert, aber die Situation war brenzlig und Sylvia sagte später, als sie wieder bei mir in der Ente saß, dass sie noch nie soviel Angst gehabt hätte wie in diesem Moment. Wir sind umgedreht und einige hundert Meter zurück auf eine Piste quer durch die Plantagen eingebogen. Soweit möglich ohne Licht ging es einige Kilometer über diese Piste. Dort zu fahren war der gefährlichste Wahnsinn bis dahin. Der Weg war gerade so breit wie der Kleinbus, zerfurcht und sandig, die Äste hingen über den Weg und schlugen gegen die Autos. An einigen Stellen ging es durch hüfthohe Sträucher und die ganze Zeit an einem kleinen Fluss entlang, zu welchem es direkt neben der Piste steil bergab ging.
Der Verkauf der staatlichen Ölgesellschaft, die miserable Regierung, gewaltsames Vorgehen in den Drogenanbaugebieten seitens der Regierung und vieles andere sind die Gründe und das Land erstickt im Chaos. (Juli 2002) Nach den Straßenblockaden um Tumbes sind wir einige Tage im Surferparadies Mancora geblieben. Bei angenehmen 30 Grad, guter Unterkunft und schönem Strand haben wir etwas ausgeruht und Informationen gesammelt. Was wir vor Ort erfahren konnten, waren bestenfalls Gerüchte, und die hörten sich nicht gut an. Am hilfreichsten war die Anfrage bei der DZG (Deutsche Zentrale für Globetrotter), die Christel Loock weitergeleitet hat. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir reichlich E-Mails mit Informationen zur Lage in Peru und zu unserer Frage, ob die auf unserer Karte eingezeichnete Strecke über Pucallpa nach Rio Branco wirklich existiert. Wir haben uns mit der Entscheidung noch etwas Zeit gelassen, sind erstmal nach Trujillo weiter gefahren. Unterwegs haben wir an Tankstellen, bei Polizisten und Busfahrern weiter nachgefragt und in Trujillo noch mehr Infos aus der DZG erhalten. Ergebnis: Eine Piste nach Rio Branco existiert scheinbar nicht mehr. Eine reizvolle Alternative wäre es gewesen mit einem Boot von Pucallpa nach Iquitos und von dort aus nach Manaus zu fahren. Bis nach Iquitos wäre das sogar noch relativ günstig gewesen, aber von dort nach Manaus kostet es wohl etwa 600 US$, denn dass es von dort aus nur mit Boot weitergeht, lassen sich die Leute entsprechend bezahlen. Allerdings hatte sich die Lage in Peru anscheinend etwas beruhigt, wenn auch in Arequipa noch Ausgangssperre war und Tacna wohl immer noch unpassierbar war, so schien doch der Rest frei zu sein. Als wir von Jochen, einem deutschen Motorradfahrer, erfuhren, dass es eine recht neue und freie Strecke über Moquegua nach Ilave gibt, haben wir uns entschieden über diesen Weg wieder nach Bolivien zu fahren. Es dauerte noch drei Tage, bis wir weiterfahren konnten, denn ein leckeres Eis hat unseren Innereien etwas zu schaffen gemacht. Die Entscheidung war aber gut. Abgesehen von zwei kleinen Demonstrationen und einigen Resten der Straßenblockaden sind wir ohne Probleme durch gekommen und hatten gleichzeitig die schönsten Etappen auf unserer Perureise. Einzigartige Landschaft, eine weitere Andenüberquerung (diesmal 4755 Meter hoch - und die Ente fährt prima) und, von 80 km schwerer Piste abgesehen, prima Straßen.
Zum Abschluss auch hier nochmal ein großes Danke an alle aus der DZG, die uns mit Informationen versorgt haben. Es hat uns weiter geholfen, auch wenn uns gute Infos ja nur ums Abenteuer prellen, wie Armin meint. Aber Abenteuer war die Geschichte in Tumbes wirklich erstmal genug! Die Fortsetzung gibts im Teil Südamerika III. Viele Grüße
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| © Sylvia Giese und Gisbert Frech |
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Redaktion:
Klaus Gerlach
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