One World - One Way

Die Weltreise von 
Sylvia Giese und Gisbert Frech
und ihrer Ente



Südamerika I

 

Die Bücher zur Reise

Warum nicht Cochabamba - Titelblatt
Warum nicht Cochabamba
Mit der Ente auf Umwegen über
Kleinasien nach Südamerika
 

Mongolei-Express - Titelblatt
Mongolei-Express
Ein Reisebericht

 

Anfang

Der erste Anlauf

Südamerika I

Südamerika II

Südamerika III

Asien I

Bildergalerie

Kontakt

Gisbert Frech Verlag

2CV-
Ersatzteilversand

Den vorigen Teil gibts unter Der erste Anlauf.

Mit der Repubblica di Genova von Hamburg nach Buenos Aires

(März 2002) Die Änderung unserer Reiseroute nach den Anschlägen vom 11. September führte uns letztlich zu dem Entschluss nach Südamerika zu fahren. Auf der Suche nach einer geeigneten Überfahrtsmöglichkeit telefonierten wir mit mehreren Schiffsagenturen. Bei allen mit etwa dem gleichen Ergebnis: Verfrachtung des Autos im Container für etwa 3.000 Euro. Wir selbst hätten ein anderes Schiff oder Flugzeug nehmen müssen. Das interessanteste Angebot war die Grimaldi Group: Überfahrt auf einem RoRo Combifrachter mit Passagieren für 1.100 Euro p.P. und 550 Euro für die Ente, bei Hamburg Süd gebucht. Als Zielland haben wir uns für Argentinien entschieden, da der brasilianische Zoll sehr problematisch sein soll.

Unser Schiff, die Grande Brasile, sollte am 18.2.02 in Hamburg auslaufen. Daraus wurde jedoch nichts. Laut Anruf der Agentur hatte die Grande Brazile eine ungewöhnlich lange Liegezeit in Buenos Aires. Grund war, wie wir später erfuhren, die Kollission mit einem Frachter auf dem Rio de la Plata.

Als Abfahrtsalternative nannte uns die Agentur ein Schiff am 11.2. oder 28.2.02. Wir entschieden uns für den letzteren Termin. Dieser Termin verzögerte sich aber nochmals, da das Schiff direkt aus dem Trockendock kam. Am 28.2. waren wir in Hamburg und am 1.3. haben wir von der Hafenmeisterei und der Agentur übereinstimmend die Information erhalten, dass wir am 2.3. um 11 Uhr an Bord könnten.

Nachts legten wir ab. Es ging über Antwerpen und Le Havre nach Bilbao, dort hatten wir den ersten kurzen Landgang. Danach dann 5 Tage auf See. Diese war zum Glück ruhig, so dass sogar Sylvia das Essen bei sich behalten konnte. Am Morgen Frühstück, mittags und abends jeweils 3 Gänge, für mich sogar fleischfrei. Da wir die einzigen Passagiere waren, konnten wir mit den Offizieren essen.

Repubblica di GenovaViel Zerstreuung gab es leider nicht, da alles an Bord ein wenig verwahrlost war (Video- und Stereoanlage defekt, Fitnessgeräte kaputt,...). Aber das Zusammensein mit der Crew war umso interessanter. Auch für Spannung wurde gesorgt, denn der Motor des Schiffes fiel fünf Mal aus, zwei Mal so überraschend, dass auch Strom, Klimaanlage und die Satellitenantenne ausfielen. Einer der acht Zylinder war hin und zweimal war eine Spritleitung geplatzt, nur Glück, dass wir völlig ruhige See hatten.

Doch es tat sich was, so wurde in Dakar der Zylinder ausgetauscht, während wir 4 Stunden Landgang hatten. Der Pool wurde hergerichtet und der Fitnessraum fit gemacht. Sogar das Trimmrad wurde frisch lackiert. Nur leider bewegte sich das Schwungrad danach nicht mehr, da die Schleifbeläge zum Einstellen des Widerstandes mit lackiert waren und deshalb an der Schwungscheibe klebten. Außerdem gab es eine neue Tischtennisplatte und der kleine Ausflug in Dakar war auch ganz nett.

Einen Tag später erreichten wir Banjul, die Hauptstadt von The Gambia. Auch hier 4 Stunden Landgang, wobei sich die Stadt nach Taftan (in Pakistan) als die dreckigste Stadt rausstellte, die wir je gesehen haben. Danach die Atlantiküberquerung, 5 Tage auf See. Wir genossen den Pool. Das jedoch Beste auf dem Schiff war die Besatzung. Sie besteht vorwiegend aus Italienern, die fast alle englisch sprechen und einfach nur nett sind. Bald hatten wir uns mit einigen angefreundet und saßen oft zusammen. Fast täglich waren wir auf der Brücke und können jetzt das Schiff steuern (falls Grimaldi noch eines verlieren möchte!!!). Einmal war ich im Maschinenraum. Der ist einfach nur riesig und heiß. Dort ist alles etwas überdimensioniert, die Kolben haben Tischdurchmesser, die Arbeit dort ist recht heftig.

Hafeneinfahrt von Vittoria,Die erste Stadt in Südamerika war Fortaleza (Brasilien). Dort hatten wir, Dank eines Defektes an der Laderampe, zweieinhalb Tage Zeit. Wir haben uns die Stadt angesehen und sind nachts mit zwei Offizieren an Land gegangen, wo wir in einer Disco die halbe Mannschaft getroffen haben. Nach der dritten Disco sind wir um 6 Uhr zum Schiff zurück. (Die Jungs waren noch beschäftigt, von wegen "in jedem Hafen eine andere"). In der Art ging es dann die brasilianische Küste entlang. San Salvadore de Bahia, Vittoria, Rio de Janeiro, Santos und Paranagua hießen die Stationen. Von Santos abgesehen sind wir immer nachts angekommen und mit einigen aus der Mannschaft an Land gegangen. Disco in Rio, Seemannskneipen in Vittoria und Paranagua und ein Puff in Salvadore waren unsere Eindrücke von Brasilien, es war interessant und wir hatten mit den Jungs viel Spaß.

So waren wir zwar froh, als wir am 2.4.02 Buenos Aires erreichten, aber auch etwas traurig, uns von einigen Leuten an Bord verabschieden zu müssen. Nach einem Monat an Bord bleibt ein guter Eindruck von der Repubblica di Genova zurück. Nicht weil das 1988 gebaute, 216 Meter lange, 42.500 BRT-Schiff so klasse wäre. Es ist geflegt, zumindest äußerlich. Technisch ist es jedoch alt und wie überall wird gespart (Ersatzzylinder gibt es nur Überholte, keine Neuen), die Ausstattung für die Passagiere ist eh spartanisch und nach der übereilten Inbetriebnahme aus dem Trockendock war sehr viel defekt. Die Mannschaft und der Kapitän haben diese Mängel jedoch mehr als wett gemacht und nichts ausgelassen, uns die Überfahrt so angenehm wie möglich zu machen.

Überraschend war übrigens der argentinische Zoll. Bei den Formalitäten hat uns der Agent der Grimaldi Group geholfen (wir brauchten das Carnet de Passages!) und die Autodurchsuchung beim Zoll fand gar nicht statt, statt dessen netter small talk und gute Reisewünsche.
 

Buenos Aires I

Pater Paul in La Boca, Buenos Aires(April 2002) In Buenos Aires haben wir uns zunächst ein Hotel genommen, was Dank der Abwertung des Peso für uns jetzt relativ günstig ist. Nach drei Tagen sind wir über den Onkel eines Freundes, der seit 40 Jahren als Pater in der Stadt lebt und arbeitet, in einer deutschen katholischen Mission untergekommen. Unser Gastgeber Pater Paul hat uns eine Woche beherbergt, wir konnten die Küche im Gemeindehaus benutzen und hatten unser eigenes Zimmer mit Bad. Besonders wurde die Zeit dort durch den liebenswürdigen Pater, den wir sehr zu schätzen gelernt haben.

Tangoszene in Buenos AiresDie Stadt haben wir ausgiebig erkundet. Riesengroß, laut, hektisch, freundliche Menschen und sehr interressant. Monate könnten wir dort verbringen, trotz der wirtschaftlichen Probleme des Landes, deren Spuren überall zu sehen sind. So sind alle Banken zusätzlich von Metallgittern und -platten umzäunt, fast jeder Supermarkt genauso, an öffentlichen Einrichtungen stehen Sprüh-Parolen und in Parkanlagen ist die ein oder andere Palme angefackelt. Auch Demonstrationen haben wir gesehen, allerdings alle kleiner und soweit friedlich. Wobei das immense Polizeiaufkommen und die Totschläger, Zwillen und Messer an den Gürteln der Demonstranten kaum zu übersehen waren. Geschlossene Geschäfte, Leute, die systematisch die Mülltonnen nach Brauchbarem durchsuchen und vieles andere zeugen von den Problemen.
 

Halbinsel Valdéz

(April 2002) Von Buenos Aires aus sind wir Richtung Süden weiter gefahren, entlang dem wohl längsten Weidezaun der Welt, der uns seit unserem Aufbruch begleitet. Pferde und natürlich die argentinischen Rinder weiden hier. Alle paar Kilometer eine Estancia (Farm) und das scheinbar endlos. In Mar de Plata, einer größeren Stadt mit einem malerischen Fischerhafen, der gleichzeitig alten Seelöwen als Zuhause dient, haben wir einen Tag halt gemacht. Dann ging es weiter, immer am Zaun entlang. Ab dem Rio Colorado wurden die Landschaft trockener, die Rinder weniger und der Abstand zwischen den Estancias größer. Nur noch wenige kleine Städte mit großem Abstand dazwischen und ewiger Gegenwind, der unser Tempo bremste, ließen die Fahrt endlos erscheinen. Jetzt sind wir auf der Halbinsel "Peninsula Valdéz", ca. 1.700 km südwestlich von Buenos Aires. Hier ist ein großes Naturschutzgebiet, mit Seeelefanten und -löwen, verschiedenen Vogelarten, Pinguinen, Guanacos, Gürteltieren und etlichen mehr. Wale, Delfine und Orkas kann man hier noch sehen, falls man Glück hat. Bei der Ankunft auf dem Campingplatz des 300-Einwohner-Ortes Porto Pyramides haben wir überraschend Armin, einen Bekannten aus Deutschland getroffen, der seit einem Jahr in Südamerika reist.

Pinguin auf ValdezVorgestern sind wir zur Inseltour aufgebrochen. Auch die Insel ist zu einem großen Teil Weidegebiet, vorwiegend für Schafe. Nach 75 Kilometern über gute Schotterpiste hatten wir die westliche Küste erreicht, wo wir eine kleine Pinguin-Kolonie sehen konnten. In Punta Norte, nach weiteren 75 Kilometern Piste, hatten wir dann echtes Glück und haben zwei Orkas gesehen. Zwei Weibchen, falls man bei einer Größe von 9 Metern von -chen reden kann, die kräftig auf Beutezug waren. Das ist schlicht spektakulär. Die Delfine (Orkas sind tatsächlich keine Wale) nehmen volle Fahrt auf und schwimmen bis auf den Strand, um dort die jungen Seelöwen zu erwischen und schlängeln sich dann wieder ins Wasser zurück, das alles kaum 30 Meter von uns entfernt.

Eineinhalb Stunden vor Einbruch der Dunkelheit haben wir uns auf den Rückweg nach Pto. Pyramides gemacht. 80 km Piste waren noch zu fahren. Nach 30 km sackte unser Wagen plötzlich hinten links ab und bremste. Zuerst dachten wir an einen Platten. Der Reifen war aber leider in Ordnung, das ganze Hinterrad stand gekippt und am Radkasten schleifend da. Die Ursache war schnell gefunden. Die Achsschwinge war gebrochen. Es stellte sich später heraus, dass (vermutlich schon jahrelang) ein Haarriss im Material war. Weiterfahren war so unmöglich, eine provisorische Lösung zur langsamen Weiterfahrt auch kaum zu finden. Zum Glück kamen gleich zwei Autos (wir hatten den ganzen Tag insgesamt keine 10 Autos gesehen). Als dann noch ein Sturm mit Hagel und Regen aufzog, ist Sylvia mit einem der Wagen mitgefahren, zurück nach Pto. Pyramides, um dort Hilfe zu finden. 2 Stunden später war sie mit einem Pick Up mit Autotrailer zurück und wir haben unsere Ente erst mal aus der Einöde rausgeholt.

Am nächsten Tag haben wir uns die ausgebaute Schwinge auf die Schulter gelegt und sind durch den 300-Seelen-Ort gelaufen, bis uns jemand angesprochen und zum Dorfschmied geschickt hat. Mit einiger Mühe haben wir dort die Schwinge gerichtet und geschweißt, in der Hoffnung, dass Spur und Radsturz danach noch stimmen.
 

Valdéz - Perrito Moreno - Bariloche - Mendoza

(April / Mai 2002) Wieder fahrtauglich sind wir über Pto. Madryn nach Comodoro Rivadavia weitergefahren. Dort waren wir drei Tage zu Gast bei einer Familie, die 1907 von Deutschland nach Argentinien ausgewandert war. Unser nächstes Ziel war der Versteinerte Wald (Bosque Petrificado). Auch wenn viele der versteinerten Baumstämme in argentinischen Vorgärten gelandet sind, ist der Ort doch sehenswert.

Der Gletscher Perito MorenoVon dort aus sind wir über kleine Pisten nach Grd. Gregores gefahren. Ein Weg von insgesamt etwa 800 km ohne Tankstelle, Ortschaften oder auch nur ein anderes Auto. Zwei Tage absolute Einsamkeit, nur gut, dass trotz der schlechten Piste kein weiterer Defekt am Auto auftrat und die reparierte Schwinge hielt. Unser nächstes Ziel und zugleich der südlichste Punkt unserer Reise war der größte wachsende Gletscher der Welt, der Perito Moreno. Trotz einsetzenden Schneefalls war dieser sicher ein Höhepunkt unserer Reise. Lange sind wir trotzdem nicht geblieben, denn das Wetter wurde immer schlechter.

Bei BarilocheAuf dem Weg Richtung Norden über die Routa 40 hat es dann auch geschneit, was das Fahren auf der teilweise sehr schlechten Piste schwierig machte. In San Carlos de Bariloche, der argentinischen Schweiz, waren Straßen und Wetter wieder prima. Wir haben Armin dort wieder getroffen und sind nach einigen schönen Tagen jetzt zusammen auf dem Weg nach Chile. Nun sind wir in Mendoza und fahren morgen über den 3.850 Meter hohen Andenpass Richtung Santiago de Chile.
 

Chile

(April / Mai 2002) Zusammen mit Armin fuhren wir über die Anden nach Chile. Erste Station war Viña del Mar bei Valparaiso. Einige Tage haben wir dort direkt am Meer "wild" gecampt, Pelikane und Militärparaden beobachtet. Die chilenischen Soldaten und Polizisten sind die Härte, der Schneider der Uniformen war garantiert ein Deutscher, 55 Jahre zurück liegender Militärtradition verbunden.

Militärparade, ValparaisoNoch mit Armin zusammen sind wir nach Santiago gefahren. Er wollte dort Ersatzteile für seinen Nissan kaufen. Die Nissan-Generalvertretung hatten wir schnell gefunden, das mit dem Kaufen war so eine Sache für sich, aber das ist eine Geschichte, die Armin besser selbst erzählt, zumal wir deren Ausgang nicht miterlebt haben, denn am nächsten Tag sind wir weiter gefahren. Auf unserer Fahrt Richtung Norden haben wir (mal wieder) eine "Abkürzung" genommen. Wir waren auf der PanAm unterwegs und hatten mal wieder extremen Gegenwind mit wenig Sicht wegen des Sandes in der Luft, als wir auf die glorreiche Idee kamen, nach Tal Tal abzubiegen und der Küste zu folgen. Sollte 30 km kürzer sein, war aber 50 km länger und hat uns neben superschöner Landschaft die bislang übelste Piste beschert. Am Ende war ein Stoßdämpfer gebrochen (was nicht ganz so schlimm war, da der vorher schon undicht war) und wir haben ewig gebraucht. Da sich der Weg an einer verlassenen Mine in 3 Pisten teilte, wussten wir auch lange nicht, ob wir überhaupt richtig fuhren. Kein Mensch, kein Schild, Orientierung mit Kompass und zu grober Karte, nach 3 Stunden übelster Piste durch schroffe Berglandschaft haben wir doch wieder die Panamericana erreicht.

Sanddünensurfen, San Pedro de AtacamaIn San Pedro de Atacama, einem kleinen Ort in der Atacama-Wüste, sind wir etwas länger geblieben als wir geplant hatten. Der Ort ist schön, obwohl oder vielleicht weil dort reichlich freakige Typen abhängen. Kifferstimmung, ein wenig wie in Puschkar/Indien früher. Wir waren Sanddünen surfen, was einen Mordsspaß macht, aber auch recht anstrengend ist, da man die Bretter die Düne ja auch wieder hochschleppen muss, auf 2.500 Metern nicht gerade leicht.

Eine weitere beeindruckende Station lag bei Calama, der größten Mine der Welt. Kupfer wird dort abgebaut, das größte Loch des offenen Tagebaus ist 850 Meter tief.

Chile war sehr schön. Die Menschen sind etwas zurückhaltender als in Argentinien, aber doch sehr freundlich. Mal wieder sind wir bei fast jedem Halt unterwegs auf unsere Ente angesprochen worden, die in Chile als Citronetta bekannt ist. Die Landschaft ist gigantisch und sehr abwechslungsreich und die Sehenswürdigkeiten liegen hier näher zusammen als in Argentinien, wodurch unsere Etappen etwas kürzer wurden. Trotzdem freuen wir uns auf Bolivien.
 

Bolivien I

Andenpass zwischen Arica und La Paz(Mai / Juni 2002) Von Arica aus sind wir gleich in den Pass gefahren, der nach Bolivien führt. Das heißt: 150 Kilometer nur bergauf, tapfere AK, das hat sie wirklich ganz klasse geschafft. In diesen 150 km haben wir einen Höhenunterschied von 4.750 Metern zurück gelegt, den höchsten befahrbaren See der Erde (Lago Chungara) gesehen, eine Zwangspause eingelegt, weil gerade ein chilenisches Radrennen über eben genau diese Strecke führte, Lamas beobachtet und uns über die gute Asphaltstraße gefreut, denn die war ziemlich neu und in unserer Karte von 2001 noch als Off-Road verzeichnet. Den Grenzübergang haben wir problemlos gemeistert, alle waren sehr nett, die Fahrzeugdurchsuchung beschränkte sich auf einen kurzen Blick, lediglich bei den mitgebrachten Lebensmitteln haben sie ein bisschen rumgezickt, konnten aber mit unserer "Opferanode", einem Sack alter Zwiebeln, schnell beruhigt werden. Nur gut, denn wir hatten ein halbes Kilo frischen Gouda versteckt.

Eigentlich wollten wir ja noch La Paz erreichen, aber die Dunkelheit war wieder früher als gedacht. So haben wir unser Entenbett an einer Tankstelle aufgeschlagen und bis zum nächsten Morgen durchgeschlafen. Die restliche Strecke bis La Paz war nicht weit und so kamen wir mitten im größten Verkehrsgewühl an. Zum Glück haben wir die Touristen-Info schnell gefunden, denn sie liegt sehr zentral, und dort einen Stadtplan erhalten.

Unser Ziel war die Werkstatt von Ernesto, einem Schweizer, der in La Paz eine VW-Vertretung hat und in Traveller-Kreisen bekannt ist, weil man bei ihm sein Fahrzeug selbst! reparieren darf und auch noch in der Werkstatt übernachten kann. Wir haben ihn dann auch schnell gefunden, die AK dort gelassen und erst einmal die Stadt erkundet.

La Paz: Schön, weil in einem Talkessel gelegen, umrahmt von riesigen, schneebedeckten Bergen. Spannend, weil endlich nicht mehr europäisch, sondern ein Gewusel aus verschiedenen Kulturen. Vertraut, weil Chaos auf den Straßen und Märkten genauso wie in Indien. Erschreckend, weil eine immense Kriminalität (die erste Stadt, in der wir an jeder Straßenecke kleine Stände entdeckt haben, in denen reichlich gestohlene Waren angeboten werden: Discman, Weltempfänger, Fotoapparate, Objektive, eben alles was das Touristenherz so begehrt). Zurück bei Ernesto hat Gisbert unseren Haupttank ausgebaut, die Halterungen waren alle gebrochen, und zum Schweißen abgegeben. Außerdem hat er den Ölbadluftfilter gereinigt und eine Motorwäsche gemacht. Nach drei weiteren Tagen in La Paz ging es dann weiter.

Kinder in Copacabana, TiticacaseeUnser nächstes Ziel war der Titicacasee, eigentlich nur eine kurze Etappe, aber da die Landschaft so schön war und wir in La Paz fast keine Fotos gemacht hatten (aus Angst unsere Kamera sonst an einem der Stände wieder zu finden), haben wir oft angehalten, geschaut, gestaunt und fotografiert. Als wir am späten Nachmittag in Copacabana, einer kleinen Stadt am Titicacasee, ankamen, wollten wir nur einen sicheren Platz für die Nacht. Die Einfahrt zum See führte uns jedoch an eine kleine Promenade, auf der ungefähr 12 Touris saßen und uns mit lautem "Hola" "Ente" "Deuxcheveaux" usw. begrüßten. Das ist uns so auch noch nicht passiert. Wir haben uns nur angeguckt und gesagt, hier bleiben wir.

Aus der Übernachtung wurden vier volle Tage, in denen wir viele andere Reisende kennen gelernt haben. Copacabana ist einfach der richtige Ort zum Auftanken und die Seele baumeln lassen.

Die Fortsetzung gibts im Teil Südamerika II.

Sylvia und Gisbert


 
© Sylvia Giese und Gisbert Frech
Kontakt: weltreise@sylviaundgisbert.de
Redaktion: Klaus Gerlach